Dentalphobie – ein weitverbreitetes Phänomen

Dentalphobie, umgangssprachlich auch als Angst vor dem Zahnarzt bezeichnet, betrifft fast jeden zehnten Einwohner in Deutschland. Was als flaues Gefühl in der Magengegend beginnt, kann zu einem hartnäckigen Problem werden, weshalb viele Patienten den Zahnarztbesuch gänzlich scheuen. Hier ist das Einfühlungsvermögen von Zahnärzten und ihren Mitarbeitern gefragt, um den Betroffenen ihre Ängste zu nehmen.

Angst vor dem Zahnarzt – wer ist am häufigsten betroffen?

Dentalphobie – Angst vor dem ZahnarztbesuchHerzrasen, Schwindel, Magenschmerzen und Schweißausbrüche – die Angst vor dem Zahnarzt hat viele Gesichter. In Deutschland leidet etwa jeder Zehnte unter einer ausgeprägten Dentalphobie, deren Ursache vielfach in der Kindheit zu suchen ist. Einige Studien belegen, dass viele Betroffene den Zahnarzt seit Jahren meiden, weil nicht nur der Zahnarztbesuch, sondern allein der Gedanke Angst auslöst.

Tatsächlich leiden weitaus mehr Frauen als Männer unter einer Dentalphobie. Betroffen sind vor allem Patienten, die das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Die meisten Patienten sind sich ihrer Furcht durchaus bewusst, jedoch schaffen sie es nicht, Scham und Ängste zu überwinden. Karies und Parodontitis drohen – die Folgen sind vielfach fatal.

Wie können Ärzte & Mitarbeiter helfen?

Etwa 70 Prozent der Betroffenen wünschen sich nicht nur eine schmerzarme, sondern auch eine einfühlsame Behandlung, weshalb Ärzte und Mitarbeiter gefragt sind, um Angstpatienten die Panik zu nehmen.

Tipp 1: Ein freundliches Ambiente schaffen

Für viele Patienten beginnt der „Albtraum“ bereits im Wartezimmer, wenn medizinische Gerüche und Geräusche auf sie einwirken. Sterile und eintönige Wartezimmer können die Angst vieler Betroffener steigern. Freundliche Farben, Zeitschriften, ein Fernsehgerät, Spielecken für Kinder und ruhige Musik schaffen Ablenkung und lindern die Angst vor dem Zahnarzt.

Tipp 2: Ausführlich informieren

Mitgefühl und Einfühlungsvermögen helfen jedem Angstpatienten, ganz gleich, wie alt er ist. Die ersten Kontaktpersonen sind gewöhnlich die Mitarbeiter des Zahnarztes, die einen Patientenbogen erstellen, Termine vereinbaren und die Krankenversicherungskarte einlesen. Hektik ist im Eingangsbereich unbedingt zu vermeiden, um vorhandene Ängste nicht zu verstärken. Vielmehr sollte der Patient auf mögliche Wartezeiten oder die bevorstehende Untersuchung vorbereitet werden.

Tipp 3: Aufklärung

Zahnärzte sollten sowohl vor als auch während der Untersuchung darüber aufklären, welche Behandlungsschritte der Patient zu erwarten hat, um schreckhafte Situationen zu vermeiden. Patienten könnten sich beispielsweise per Handzeichen bemerkbar machen, falls sie eine kurze Verschnaufpause benötigen.

Lokalanästhetika, Narkose, Hypnose, Entspannungstechniken – was hilft wirklich?

In erster Linie ist es die Angst vor möglichen Schmerzen, die für Unbehagen sorgt. Vielfach haben Betroffene bereits in der Kindheit negative Erfahrungen gesammelt – seien es schmerzhafte Zahnbehandlungen oder die übertragenen Ängste von Eltern und Geschwistern. Die einfachste Möglichkeit, eine schmerzreduzierte oder schmerzlose Behandlung zu gewährleisten, ist die Gabe eines Lokalanästhetikums, das mittels einer Injektion verabreicht wird. Da viele Patienten den Einstich scheuen, kommen vielfach Sprays oder Tropfen, die das örtliche Betäubungsmittel Lidocain enthalten, zum Einsatz, die das Schmerzempfinden des Einstiches unterdrücken.

In Ausnahmefällen kann eine Vollnarkose angezeigt sein, um dem Patienten eine schmerzfreie Behandlung zu bieten und Panikattacken zu vermeiden. Allerdings ist eine Vollnarkose, die mit einer vollständigen Ausschaltung des Bewusstseins einhergeht, mit gewissen gesundheitlichen Risiken verbunden, die vorab abgeklärt und schriftlich fixiert werden müssen.

Viele Zahnärzte bedienen sich heutzutage weiterer Zusatzqualifikationen, um auf die Bedürfnisse ängstlicher Patienten einzugehen.

Hierzu gehören:
  • Hypnose
  • Akupunktur
  • autogenes Training
  • progressive Muskelrelaxation nach Jacobson

Aus diesem Grund scheinen viele Zahnärzte heute nicht nur als Mediziner, sondern auch als „Psychologen“ zu fungieren.

Kinder – ganz besondere Angstpatienten

Neben zahlreichen Erwachsenen sind es vor allem Kinder, die mitunter eine panische Angst vor dem Zahnarzt entwickeln. Sobald die Kleinen zu weinen oder schreien beginnen, sind Eltern ebenso macht- und ratlos wie ihr Nachwuchs. Deshalb ist es wichtig, sowohl auf die Ängste der Kinder als auch auf das Verhalten der Eltern einzugehen, um den Arztbesuch für alle Beteiligten erträglich zu gestalten.

Kinder frühzeitig auf einen Zahnarztbesuch vorbereiten

Die beste Möglichkeit, Kindern die Angst zu nehmen, ist der frühzeitige Zahnarztbesuch. Sobald die ersten Milchzähne durchgedrungen sind, kann die erste Kontaktaufnahme erfolgen, um die Kleinen an die Gerüche, die Atmosphäre und Geräusche einer Zahnarztpraxis zu gewöhnen.

Positives Feedback und Belohnungen

Kindern ist es besonders wichtig, dass sie gelobt und belohnt werden, weshalb tröstende Worte sowie kleine Präsente, darunter Zahncremes, Zahnbürsten oder Spielzeug, unabdingbar sind, um Kinder an eine Zahnbehandlung zu gewöhnen. Häufig kann es auch hilfreich sein, während der Behandlung auf dem Schoß der Eltern zu sitzen oder das geliebte Kuscheltier dabei zu haben, damit die Angst vor dem Zahnarzt nicht dominiert.

Ehrlichkeit

Falls unangenehme Zahnarztbesuche, beispielsweise die Behandlung von kariösen Zähnen oder die Entfernung eines Milchzahnes, anstehen, müssen Eltern ihre Kinder auf die bevorstehende Belastung vorbereiten, ohne dabei die Tatsachen zu verschleiern. Nichts ist schlimmer für Kinder, wenn Zahnbehandlungen anders verlaufen als erwartet. Zahnärzte und Mitarbeiter sollten einfühlsame Worte wählen, um Kindern die Angst zu nehmen.

Regelmäßige halbjährliche Vorsorgeuntersuchungen

Eltern sollten versuchen, die halbjährlichen Vorsorgeuntersuchungen einzuhalten, um Kinder an den Zahnarzt zu gewöhnen. Routine schafft Vertrauen und ermöglicht eine frühzeitige Behandlung kariöser Zähne. Kleinere und größere Belohnungen, beispielsweise ein Schwimmbad- oder Kinobesuch, können dabei helfen, die Scheu vor dem anstehenden Zahnarztbesuch zu überwinden. Im fortgeschrittenen Kindesalter ist es übrigens sinnvoll, wenn Eltern während der Untersuchung im Wartezimmer verweilen, damit das Kind keinem unnötigen Druck ausgesetzt ist.